Freitag, 7. Juli 2017

Schicksalsparade

In diesem Augenblick stehe ich hier und starre geistesabwesend auf diese eine Münze.

- Diese Schicksalsmünze -

Diese berüchtigte eine Münze, die mein ganzes Schicksal auf einen Schlag verändern könnte. Ich lasse meinen leeren Blick durch die Gegend schweifen und spiele gedankenverloren mit der Münze. Mein Blick bleibt an einer meiner zahlreichen Orchideen haften. In binnen von Sekunden füllen sich meine Augen mit Tränen, denn ich beginne mich daran zu Erinnern.

Ich erinnere mich an alles was war, an alles was mir widerfahren ist, an all die schrecklichen Ereignisse,  jedoch besonders an diese eine Zeit. An die Zeit, in der ich einfach nur ich war, eine Zeit wo ich mich noch nicht verloren fühlte, eine Zeit, wo ich noch wusste wo ich hingehöre, eine Zeit, in der ich vollständig war. Kurz gesagt an die Zeit, wo ich einfach nur glücklich war!

Es war meine Zeit am Musiktheater im Revier...
Während sich sämtliche Gesichter der Mitarbeiter des MiR´s vor meinem inneren Auge anfangen aufzubauen, füllen sich meine Augen mit Tränen. Langsam bahnen sich diese einen Weg über meine Wangen, denn eines, wird mir auf einen Schlag wieder bewusst.

- Ich vermisse Sie alle schrecklich! -

Von der Bühnentechnik über die Beleuchter, Bühnenmeister, Schlosser, Schreiner, Maskenbildner, die Leute aus der Kostümabteilung, die Pförtner und die Dekos und nicht zu vergessen meine geliebten Bühnenmaler! All diese Menschen... diese Menschen, mit all ihren Ecken und Kanten sowie teilweise ihre verrückten Macken.

Ich beginne mich an Tage zu erinnern. Tage an denen wir teilweise fluchten, Tage an denen ich fluchend meine Pinsel durch den Malersaal pfefferte und mir Tränen der Wut in die Augen stiegen, da mir etwas am Übungsprospekt auch nach dem 10ten versuch etwas nicht gelingen wollte. Aber ich erinnre mich ebenfalls an die Momente, wo Sascha und Andrea mir aufmunternd zugeredet haben, und mir in Ruhe die Techniken erklärten und zeigten, bis es endlich funktionierte und ich am Ende nicht nur die Ruhe selbst war, sondern auch wieder strahlte. Besonders Sascha schaffte es immer wieder, das ich nicht Aufgab und immer mehr Selbstvertrauen fasste und einfach auch rumexperimentierte. Und dann erinnre ich mich wieder an gewissen Insider wie: "3 Fässer lang" oder "Ich weiß", und plötzlich stiehlt sich ein Lächeln zu meinen Tränen ins Gesicht.
Kurzzeitig schaffe ich es dadurch wieder ins Hier und Jetzt einzutauchen, aber ich weiß, das es Zeit wird.  

Ich schaue auf die Münze...
Soll ich es wagen? Soll ich sie wirklich einsetzen?
Meine Gedanken fangen an zu kreisen und kreisen...
Ich beiße mir auf die Lippen und denke nach, aber dann...



... nehme ich bereits Abschied!
Denn ich weiß, das es kein zurück mehr geben wird. Damals ist nicht heute, und schließlich bin ich aus meinen Traumberuf nicht erst seid gestern raus.
Doch dann bahnt sich unverhofft trotz der Tränen wieder ein Lächeln in mein Gesicht, denn ich bin jedem einzelnen der zu meiner Zeit am Theater noch gearbeitet hat dankbar! Besonders auch einem Herrn Dorra, der mich dennoch immer wieder bestärkte, dem lieben Kalle... unseren Papa Schlumpf wie wir Ihn liebevoll nannten, sowie auch Andrea und Sascha die sich nicht nur um unsere Ausbildung kümmerten und uns alles lehrten sondern auch auf menschlicher Basis immer für uns da waren und uns lehrten, nicht nur im Teamwork zu arbeiten, sondern auch an uns und unsere Fertigkeiten zu glauben. Für das zu kämpfen und einzustehen woran wir glauben und uns immer selbst treu zubleiben. Einer Martina, die immer die passenden Worte im richtigen Augenblick für einen hatte. Jochen dafür, das er unbewusst meine nerven stärkte ... und ich könnte endlos diesen Menschen alle danken! Denn sie sind Menschen, die mich teils zu dem gemacht haben der ich heute bin. Und auch wenn es das Schicksal mit mir nach dem Theater nicht gut meinte... mich zu Boden riss... Zusammenbruch durch Mobbing und vieles mehr, schenkte mir der Gedanke an diese wunderschöne Zeit immer wieder Kraft mich hochzukämpfen.

Denn:
I´m st;ll dream;ng
st;ll lov;ng
st;ll bel;ev;ng

Mein Blick beginnt sich zu klären, die Tränen fangen an zu trocknen und ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus! Auch wenn ich eigentlich alles dafür tun würde um zurück nach Hause ans MiR zu kommen, ich werde diese Schicksalsmünze für diesen Wunsch nicht nutzen. Ich werde sie nicht nutzen, um mein Schicksal zu ädern, denn die Konsequenzen, die aus diesem nutzen vielleicht hervor gehen würden, bin ich nicht bereit auf mich zu laden. Dies könnte ich nämlich weder mit meinem Herzen noch mit meiner Seele verkraften! Somit gebe ich der Schicksalsmünze einen letzten Kuss und lege sie zurück zu den anderen Münzen.
Ich schaue hoch in den Himmel, erneut bilden sich in meinen Augen die Tränen, jedoch bleibt auch das Lächeln auf meinem Gesicht vorhanden!
Denn eines weiß ich mit Sicherheit. Im Musiktheater im Revier, werde ich jederzeit mit offenen Armen empfangen, und sei es auch nur, wenn ich zu besuch komme, jedoch bin ich auch dann für eine kurze Zeit wieder zu Hause angekommen!

Ich wende meinen Kopf und Blicke zurück auf die Münzen. Ich frage mich, werde ich je bereit sein? Bereit um mein Schicksal oder das eines anderen mit Ihnen zu verändern? Ich weiß es nicht...
Und solange ich es nicht weiß, werde ich nur über sie wachen. Darüber wachen, das kein anderer sie je in die Finger bekommen wird! Denn die Gefahr, das die falsche Person diese in die Finger bekommt, ist einfach zu groß!